Rallye 2013 – Tag 5:
Mit Hürden in die Türkei

Rallye 2013 – Tag 5:
Mit Hürden in die Türkei

Als wir gegen 7 Uhr aufstanden, lagen die Flekviehe noch in den Federn. Wir nutzen die Zeit um uns auf deren Autos zu verewigen, noch waren wir zu aufgelegt, wir würden ihnen in Istanbul einen Platz freihalten.

Da wir auf dem ganzen Campingplatz keinen Betreiber fanden bei dem wir unsere Übernachtung hätten zahlen können, brachen wir mit einem leicht schlechten Gewissen kurz nach 8 Uhr in Richtung Türkei auf.

Da wir noch die Postkarte an die Brauerei im Auto liegen hatten, musste noch schnell ein Stop in einem Postamt eingelegt werden. In der Hafenstadt Xanthi entdeckten wir ein solches, jedoch war nirgends ein Parkplatz oder eine Möglichkeit zum Anhalten zu finden. Kurzerhand machte die Polizei platz für uns und lies uns im absoluten Halteverbot parken bis wir die Karte und unser Roadbook gestemplet bekamen.

Obwohl im Postamt außer den beiden Angestellten keine einzige Person zu sehen war, wollte man uns erst bedienen, nachdem wir eine Nummer gezogen hatten.
Eine Kommunikation mit der Postmitarbeiterin war leider weder in Englisch und schon gar nicht in Deutsch möglich. Das internationale Zeichen für Stempeln, mit der Faust auf den Tisch schlagen, wurde allerdings auch hier sofort erkannt und so schlug die Beamtin mit Wonne ihre Stempel in unser Roadbook.

Nach einer mehr oder weniger kurzen Irrfahrt über die staubigen Straßen der Innenstadt waren wir wieder auf Kurs Türkei. Wir trafen immer mehr andere Rallyeteams, die wie wir auch auf dem Weg in Richtung Alexandropoli waren. Die Grenze schien wie ein Trichter für Rallyeteams zu wirken.

Als wir uns dem Grenzübergang „İpsala Sınır Kapısı“, dem wichtigsten Grenzübergang zwischen Griechenland und der Türkei näherten, gleichzeitig südöstlichste Außengrenze der Europäischen Union und des Schengen-Raums rechneten wir noch mit einer unkomplizierten Einreise, war die Türkei doch das erste offizielle Rallye-Partnerland.

Die Einreise in die Türkei gestaltet sich mehrstufig. Nach der Ausreise aus Griechenland überquert man den Grenzfluss Ipsala wo wir auch unser typisches „Grenzübergangsfoto“ gemacht haben. Was dann folgte war eine dreistufige Einreiseprozedur. An einem ersten Grenzposten wurden die Reisepässe kontrolliert, wer keinen gültigen Reisepass vorweisen konnte, wurde bereits hier abgewiesen.


Unmittelbar nach der ersten Kontrolle reihten wir uns in eine Schlange wartender Fahrzeuge, darunter auch viele Rallye-Teams ein und näherten uns im Schritttempo Grenzposten Nummer 2.

Hier sollten neben dem Reisepass auch der Fahrzeugschein und die Grüne Versicherungskarte kontrolliert werden. Da weder Szymons, noch meine Versicherung uns die gesamte Türkei, sondern nur den Teil westlich des Bosporus und schon gar nicht Israel und Jordanien versichern wollte, hatten wir beide Fahrzeuge auf Fred versichert und natürlich auch angemeldet. Und genau hier lag der Krux des Ganzen. Zwar war uns wohl bekannt, dass bei der Einreise in die Türkei das Auto in den Reisepass eingetragen wird, allerdings gingen wir davon aus, dass dies eben beim Fahrzeugführer und nicht beim Eigentümer erfolgt. Und genau diese Vermutung erwies sich als falsch! Wir wurden abgewiesen.

Nein, nicht wirklich abgewiesen, vielmehr wurden wir nach langen Verhandlungen mit dem Grenzer gebeten, auf einen Parkplatz neben dem „Grenzterminal“ zu warten. Und da warteten wir nun, und warteten, und warteten. Team um Team zog an uns vorbei. Auch unser zuhause gebliebener „Fanclub“ machte sich schon sorgen, dass die Rallye für uns jetzt zu Ende sei. Hämische Witze wie „Türkische Grenzer muss man Schmieren – Aber Schei**e kann man nicht Polieren“ machten auf Facebook und Twitter die Runde. Irgendwann nach langem Warten Gesellte sich noch ein zweites Team mit selben Problem zu uns. Nebenbei konnten wir zudem noch super beobachten, wie ein türkisches Team das ganze Auto leer räumen musste und sogar die Rücksitzbank ausbauen musste.

Als sich abzeichnete, dass man uns hier einfach ignorierte, vermutlich in der Hoffnung wir würden wieder umdrehen und das Problem hätte sich für den Grenzer somit von selbst erledigt, gingen wir auf den örtlichen „Obergrenzer“ zu und plötzlich ging alles ganz schnell. Man fertigte Kopien all unserer Dokumente an, stellte eine Art „Vollmacht“ für das Fahrzeug aus, vermutlich ging das Auto formalrechtlich für den Zeitraum des Türkeiaufenthaltes an Szymon über, wir bekamen die ersehnten Stempel in unseren Pass, Fred zusätzlich eine handschriftliche Notiz und wir durften Weiterreisen. Allerdings nur bis zum Grenzposten Nummer 3. Zwar wurde bei Fred die Notiz für „unser“ Auto in den Pass eingetragen, nicht jedoch das eigene Auto. Also mussten wir noch einmal zurück zum 2. Grenzposten um das nachzuholen.
Mittlerweile waren wir was dies betrifft relativ tiefenentspannt, haben wir doch von unserem „BackOffice“ erfahren, dass wir ohnehin im hinteren Drittel des Fahrerfeldes liegen, zur Roten Laterne allerdings noch ein ganzes Stück fehlt.

Endlich, 3,5 Stunden nachdem wir den Grenzübergang Ipsala erreicht haben, hatten wir es geschafft. Wir waren in der Türkei. Nun wollten wir nur noch eins, auf direktem Wege nach Istanbul wo das erste große Fahrerlager auf uns wartete.

Als wir endlich Istanbul, erreichten war erst einmal ein akribisches Studieren des Stadtplans erforderlich. Mit einem Durchmesser von 60km und einer Einwohnerzahl von 120 Millionen galt es das ehemalige Hippodrom, den Platz zwischen Hagia Sofia, Blauer Moschee und Sultanahmet-Moschee zu finden. Zum Glück fanden wir schon nach kurzer Zeit im Istanbuler Feierabendverkehr ein Schild, was auf die große Moschee hindeutete. Ruck-Zuck erreichten wir durch enge Gassen das Hippodrom was ehr einem Motodrom gleich kam. Der ganze Platz war bereits mit Rallye-Fahrzeugen gefüllt.

Ehe wir uns allerdings zur mittlerweile feiernden Runde gesellen durften, mussten wir ein zweites Mal den Hupenprüfstand passieren. Hierbei viel unser Frontera gnadenlos durch. Auf den ersten 2000 Kilometern von Deutschland in den Orient hatte die Hupe schlapp gemacht und wir hatten nur noch die Sirene auf dem Dach. Beim Passat war allerdings sogar noch eine Leistungssteigerung um 9 db(A) drin 🙂
Im Fahrerlager suchten wir uns einen strategisch sinnvollen Parkplatz für den geplanten Massenstart, diesen fanden wir direkt zwischen Haupteingang der Moschee und unseren Freunden vom Team OPEL.
Ehe wir allerdings auch mitfeiern und das Fahrerlager erkunden wollten, waren wir uns einig, uns ein Hotel zu suchen. Mit dem Hostal Yunes Emre fanden wir dies auch. Keine 300 Meter vom Fahrerlager entfernt und zu Rallye-Preisen von weniger als 11,11€ pro Nacht (ohne Frühstück).

Das Fahrerlager war ein buntes Farbenmeer aus Rallye Autos, feiernden Rallyefahrern, erstaunten Touristen und Einheimischen. Viele Touristen, darunter auch viele Deutsche waren über den Rallye-Zirkus mitten in mitten des ehemaligen Konstantinopel verwundert. Nachdem wir den Sinn und Zweck der Rallye erklärten allerdings umso begeisterter.
Erstaunt waren auch wir, wie die Rallye schon hier von der Stadt unterstützt wird. War es an normalen Tagen nicht einmal gestattet, die Grünflächen am Hippodrom und der Blauen Moschee zu betreten, gestattete die Stadt für das Fahrerlager dort sogar das Camping.
Mit einem Abendessen in einem Restaurant unweit des Fahrerlagers (zu Touri-Nepp-Preisen) endete für uns der erste Tag in der Türkei.

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