Über den (angeblich) höchsten Pass der Welt

Über den (angeblich) höchsten Pass der Welt

Eigentlich wollten wir recht früh am Morgen mit unserer Motorradtour beginnen. Gerade jetzt hatte der Jetlag jedoch voll zugeschlagen und so wurde es etwas später bis wir loskamen.

Da der Weg hoch auf den Pass am Tsemo Maitreya Temple vorbeiführte, machten wir noch einmal kurz einen Abstecher dorthin.

Wenige Meter weiter war dann auch schon der Kontrollposten, an dem wir unsere Genehmigung den Pass zu überfahren vorlegen mussten. Außerdem wurden unsere Motorräder beim Militär registriert, der Pass ist der wichtigste Nachschubweg für die Militärbasen im Nubra Valley.

Während die Straße am Anfang noch gut geteert war, fuhren wir schon nach wenigen Kilometern auf den schlimmsten Schlaglochpisten und noch ein paar Kilometer später hatten wir nur noch eine Schotterpiste unter unseren Rädern.

Die Piste auf den Pass war gesäumt von Auto- und LKW-Wracks die vermutlich von der Straße abgekommen und in den Abgrund gestürzt waren. Kein Wunder, Leitplanken gibt es hier keine, direkt am Straßenrand ging es nicht selten zig Meter Kerzengerade nach unten und der Fahrstil einiger LKW-Fahrer, vor allem in den engen und uneinsichtigen Spitzkehren war schon sehr abenteuerlich.

3 Stunden, 2000 Höhenmeter und 50 Kilometer später erreichten wir endlich den 18380ft (5602m) hohen Kardung La. Den angeblich höchsten mit einem Fahrzeug befahrbaren Bergpass der Welt. Über die Höhe wird jedoch nicht nur in Indien gestritten. Indische Karten und auch das Schild auf der Passhöhe weißen die 5602m als Höhe aus, Online findet man die Höhe von 5359m und unsere Bergsteigeruhren zeigten 5540m an. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Nachdem wir die obligatorischen Bilder am Passschild gemacht hatten, kletterten wir noch auf einen kleinen Hügel neben dem Pass von wo aus man sich das ganze Spektakel super anschauen konnte.

Was hier oben jedoch nicht zu unterschätzen ist, war der Wind. Der zieht hier nämlich gewaltig durch, so dass wir unsere Mittagspause nicht wie geplant auf dem Hügel sondern in der Blechhütte des Kardung Cafe, dem nach eigenen angaben höchstgelegenen Cafes der Welt machten.

Die Abfahrt ins Nubra-Tal war dann jedoch nicht weniger spektakulär als die fahrt nach oben. Die Strecke nach unten ist fahrtechnisch eher sogar noch anspruchsvoller als die nach oben. Die Spitzkehren sind hier deutlich näher beieinander und dazu noch fast überhaupt nicht einsehbar. Außerdem wurden als wir dort waren umfangreiche Straßensanierungsarbeiten durchgeführt, so dass man teilweiße über den frischen Teer fahren musste.

Im Nubra Valley angekommen konnten wir dann endlich mal ein paar Kilometer gut machen. Dachten wir zumindest. Denn schon nach wenigen Kilometern zog eine Tiefschwarze Front am Himmel vor uns auf und es wurde extrem windig.

Da wir zufälligerweise gerade an einem „Restaurant“ vorbei kamen war die Entscheidung, den Wolkenbruch abzuwarten einstimmig. Nachdem es im besagten Restaurant jedoch außer sehr schlechten Chapati nichts zu Essen gab und der Himmel scheinbar nicht aufklaren wollte, es jedoch auch nicht regnete, beschlossen wir weiterzufahren.

Die Entscheidung stellte sich jedoch schon nach weniger als einem Kilometer als Fatal heraus. Der starke Wind brachte nämlich einen extremen Sandsturm mit sich, so dass wir zeitweise selbst die Straße nur schemenhaft erkennen konnten.

Der Sandsturm war zum Glück nur von kurzer Dauer. Nach knapp 30 Minuten hatte der Spuk ein Ende und wir konnten uns wieder auf die schöne Landschaft konzentrieren und nicht nur darauf, nicht irgendwo von der Straße abzukommen.

Bei einem Blick auf die Karte entdeckte Hannes zufällig, dass in einem Seitental nur wenige Kilometer von uns entfernt eine riesige Höhle sein sollte. Da wir ja noch genug Zeit hatten, wollten wir dieses Tal noch erkunden und natürlich die Höhle besichtigen.

So langsam wurde es dann aber spät und die Dämmerung setzte ein. Wer konnte denn auch ahnen, dass es irgendwann dunkel wird.

Wir mussten uns also schnellstmöglich auf die suche nach einem Hotel machen. Die ersten 3 Anlaufstellen erwiesen sich aber als Niete. 2 Klöster und ein Restaurant, jedoch ohne Gästezimmer. Der einzige Ort mit Hotels bzw. Gästehäusern wäre wohl tatsächlich Turtuk am Ende des Tales. Bis dorthin waren es noch fast 100 Kilometer und die Straßenverhältnisse ließen es selten zu, schneller als 50km/h zu fahren. Wir mussten also noch mit mindestens 2 Stunden fahrt rechnen und es wurde rasant dunkler.

Es dauerte nicht lange und wir fuhren durch die stockfinstere Nacht. Nur beleuchtet von den funzeligen Lichtern unserer indischen Motorräder.

Da das Licht der Scheinwerfer kaum ausreichte, mehr als die Straße vor uns zu erahnen konnten wir auch nicht wahrnehmen, dass wir immer relativ nahe an einer Abbruchkante fuhren, wo es nicht gerade wenige Meter nach unten ging. Ein Fahrfehler wäre hier definitiv der letzte gewesen. Mit einem Krankenwagen oder gar einem Rettungshubschrauber braucht man hier nicht zur rechnen.

Auf halber Strecke nach Turtuk folgte dann wieder ein Check-Point wo wir unsere Aufenthaltsgenehmigung vorzeigen mussten. Diesmal für das Grenzgebiet von Indien zu Pakistan. An der Kontrollstelle war wohl gerade Wachwechsel, denn einer der Beamten suchte nach einer Mitfahrgelegenheit ins nächste Dorf und so stieg er kurzerhand bei Hannes mit auf das Motorrad.

Übermüdet wie wir mittlerweile waren, übersahen wir noch einen weiteren Kontrollposten. Erst als die dortigen Militärs aufsprangen und uns verdattert hinterher sahen wurde uns klar, dass wir dort hätten anhalten sollen. Zurückfahren wollten wir jedoch auch nicht mehr. Wir wollten nur noch in ein Hotel, dass wir dann zum Glück auch recht schnell in Turtuk fanden.

Wir schoben uns noch schnell etwas zu Essen rein und fielen todmüde ins Bett.

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